20. April 2021

Besuch beim Landvolk Ammerland

Besuch beim Landvolk Ammerland: 2800 Mitglieder und rund 1000 Betriebe sind im Ammerländer Landvolkverband organisiert, der die Interessen von rund 95 Prozent aller Landwirte aus den sechs Ammerland-Gemeinden Apen, Bad Zwischenahn, Edewecht, Rastede, Westerstede und Wiefelstede sowie aus den drei Gemeinden Zetel, Bockhorn und Varel (Friesische Wehde), vertritt. Bei einem Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden Felix Müller (mit 29 Jahren übrigens jüngster Vorsitzender in ganz Niedersachsen!) und Geschäftsführer Dipl.-Ing (FH) Thorsten Jan Dirk Cordes am Sitz des Verbandes in Westerstede am 29. April 2021 konnte ich ein umfassendes Bild über die derzeitige Situation der Landwirtschaft und die Sorgen und Nöte der Bauern gewinnen. Insgesamt war es ein sehr interessanter, offener und guter Austausch!

Der Landvolkverband leistet für seine Mitglieder Rechts- und Sozialberatung, Betriebs- und Unternehmensberatung, hilft beim Antragswesen aller Art und bietet nicht zuletzt Unterstützung in Steuerfragen.

Ein vieldiskutiertes Thema ist im Moment die Versiegelung der Landschaft durch Wohnbebauung, insbesondere in den Gemeinden Edewecht, Rastede und Wiefelstede. Als „sehr gut“ bezeichneten meine Gesprächspartner die Zusammenarbeit mit dem Bund deutscher Baumschulen (BdB) und dessen Vorsitzenden Renke zur Mühlen sowie mit dem Ammerländer Landfrauenverband.

Großes Engagement zeigen die Ammerländer Landwirte bei der Schaffung von Blühstreifen. So wurden etliche Hektar realisiert, wobei nicht irgendeine Wildblumensaatmischung verwendet wird, sondern eine eigene, einjährige Mischung, speziell für norddeutsche Sandböden. Diese enthält möglichst viele blühende Arten und einen hohen Anteil  gebietsheimischer  Wildpflanzen, um mehr Lebensräume nicht nur für häufige Bestäuber wie die Honigbiene, sondern auch für  spezialisierte gefährdete Wildbestäuber, wie zum Beispiel Wildbienen und Tagfalter, zur Verfügung zu stellen. 2019 legten die Ammerländer Landwirte 17 ha Blühflächen mit dieser Mischung an. Gemeinsam mit der Jägerschaft wurden weitere 211 ha mit Mischungen der Landesjägerschaft angelegt. Insgesamt waren es 2019 im   Arbeitskreis „Insekten“ ca. 242 ha.

Großes Interesse signalisiert der Landvolkverband Ammerland, um hier mit anderen Trägervereinen (z.B. NABU, BUND) eine Ökologische Station zu schaffen. Gerne auch zusammen mit dem Landkreis Oldenburg und der Stadt Oldenburg. „Ökologische Stationen sollen dazu beitragen, den Herausforderungen des regionalen Natur- und Umweltschutzes sowie den Zielsetzungen und Vorgaben der EU-Richtlinien gerecht zu werden und zum Erhalt der biologischen Vielfalt beisteuern“, heißt es dazu beim NABU Niedersachsen, der im Land bereits drei Stationen betreibt und in zwei weiteren Einrichtungen Mitglied in den Trägergemeinschaften ist.

In unserem Meinungsaustausch ging es außerdem um die Bedeutung der Landwirtschaft für die Lebensmittelversorgung, um die Problematik der Ex- und Importe und nicht zuletzt um die Monopolstellung der vier großen Discounter, die nach Auffassung meiner Gesprächspartner „die Preise kaputt und den Landwirten das Leben schwer machen“.