10. September 2021
Rhododendronpark Hobbie

Seniorenpolitik ist Sozialpolitik

Um 3,3 Prozent ist die Anzahl der Seniorinnen und Senioren im Landkreis Ammerland seit 2008 gestiegen und beträgt (laut Kreis-Seniorenplan, Stand 2018) 28,7 Prozent, also fast schon ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Schon diese Zahlen zeigen meines Erachtens, dass hier für die Landkreisverwaltung Handlungsbedarf besteht, wie zum Beispiel Beratung hinsichtlich Wohnen im  Alter, im Hinblick auf Assistenzsysteme, die das tägliche Leben erleichtern können, aber auch zu altersgerechten Veranstaltungsangeboten – sowohl für Bildung als auch Gesundheit.

Gotthard Schönbrunn aus Wiefelstede ist Vorsitzender des Seniorenbeirates für den Landkreis Ammerland. Er hatte mir vor einiger Zeit einen Fragenkatalog zu Themen geschickt, die für die älteren Menschen im Kreisgebiet im Hinblick auf die Entscheidung bei der Landratswahl von Bedeutung sind. So lautete seine erste Frage: „Wie stehen Sie zur Einrichtung von Stellen für hauptamtliche Seniorenbeauftragte in den Kommunen?“ Tatsächlich würde ich es sehr begrüßen, wenn die Gemeinden hauptamtliche Seniorenbeauftragte beschäftigen würden. Ich halte es für sehr sinnvoll, hier feste Ansprechpartner zu haben, die gut und verlässlich erreichbar sind und für eine kontinuierliche und gute Seniorenarbeit in der jeweiligen Gemeinde und als Netzwerk gemeindeübergreifend auf Kreisebene sorgen.

Seine Frage, ob ich die Ausweitung der Mitwirkung des Kreisseniorenbeirats bei Kreisentscheidungen befürworte, also die Teilnahme an Fachausschüssen, soweit altersspezifische Themen beraten werden, habe ich bejaht. Der Kreisseniorenbeirat hat derzeit beratende Stimme im Sozialausschuss. Auf Schönbrunns Frage, ob ich Möglichkeiten sehe, den flächendeckenden Seniorensport zu fördern, habe ich geantwortet: „Es gibt sicherlich vielfältige Möglichkeiten, den Seniorensport flächendeckend zu fördern: Es gibt bereits die Seniorensporttage des Kreissportbundes. Schön wäre es, wenn die Sportvereine selber auch solche Tage einrichten könnten. Durch meine Besuche bei den Sportvereinen im Ammerland habe ich wahrgenommen, dass diese Seniorenangebote dann auch sehr gut besucht werden.“

Die Schaffung flächendeckender Begegnungsstätten als Ergänzung zu den bestehenden Dorfgemeinschaftshäusern /Vereinsheimen würde ich differenziert betrachten. Ich halte Begegnungsstätten für ältere Menschen für unabdingbar. Fraglich ist aber, ob diese tatsächlich zu den bereits bestehenden Dorfgemeinschaftshäusern/Vereinsheimen erforderlich sind. Das wird je Kommune recht unterschiedlich sein. Ich halte es aber auch für wichtig, für generationsübergreifende Begegnungen zu sorgen. Insofern finde ich die Einbettung in bestehende und von unterschiedlichen Gruppen genutzte Räumlichkeiten grundsätzlich richtig.

Grundsätzlich sehe ich die besonderen Belange der älteren Bevölkerung im Landkreis Ammerland hinreichend berücksichtigt – übrigens sehr gut aufgelistet im Kreis-Seniorenplan von 2018. Bei meiner Wahl am 12. September zur Landrätin würde ich mir zunächst einen Überblick darüber verschaffen, welche Handlungsempfehlungen aus dem Seniorenplan 2018 bereits umgesetzt wurden und wo es noch Handlungsbedarf gibt. Aus meiner bisherigen Tätigkeit als stellvertretende Verbandsgeschäftsführerin des Bezirksverbandes Oldenburg heraus und den Gesprächen, die ich in den letzten Monaten z.B. mit dem Pflegeservicebüro vom Landkreis Ammerland und dem Sozialverband (SoVD)  geführt habe, sehe ich einen großen Handlungsdruck, das Angebot an Kurzzeitplätzen im Landkreis Ammerland zu erhöhen.

Was die besondere Fürsorgepflicht des Landkreises gegenüber den Senioren anbelangt, so sehe ich die Seniorenpolitik als Gemeinschaftsaufgabe des Landkreises und seiner sechs Gemeinden. Bei Seniorenpolitik handelt es sich um Sozialpolitik für ältere Mitmenschen. Der Landkreis Ammerland ist ein hochgelobter Landkreis, der über ein hohes Ranking in Niedersachsen und auch im Bund u. a. hinsichtlich des Kriteriums „Lebensqualität“ verfügt. Der Landkreis Ammerland gilt als lebens- und liebenswert für Alt und Jung – und das soll auch so bleiben!